Implementierung aktueller Erkenntnisse in die Pflegeausbildung

Tony Mendes
Lehrperson im Bildungsgang Pflege HF & Verantwortlicher Curriculum und Unterrichtsentwicklung
Kontakt: tony.notexisting@nodomain.commendes@edubs.notexisting@nodomain.comch

Im letzten Newsletter (April/26) des BzG wurde über eine Bachelorarbeit zum Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) berichtet. Was früher im Schatten der hochspezialisierten Intensivmedizin stand, rückt zunehmend ins Zentrum einer nachhaltigen, patientenorientierten Versorgung. Genau hier setzten Simone Ding und Tony Mendes an. Als verantwortliche Fachpersonen für die Curriculums- und Unterrichtsentwicklung im Bildungsgang Pflege HF sorgen sie dafür, dass aktuelle Erkenntnisse aus Evidenz und Praxis nicht nur diskutiert, sondern konsequent ins Curriculum Pflege HF integriert werden.

Bedeutung PICS
Das PICS ist ein aktuelles Beispiel für die Komplexität moderner Gesundheitsversorgung. PICS ist kein klar umrissenes Krankheitsbild, sondern ein vielschichtiges Syndrom mit körperlichen, kognitiven und psychischen Folgen. Es betrifft nicht nur erwachsene Patientinnen und Patienten, sondern auch Kinder (PICS-Pediatric) sowie Angehörige (PICS-Family), die die intensivmedizinische Zeit oft als ebenso belastend erleben. Damit wird deutlich, dass die Intensivpflege nicht mit der Verlegung von der Station endet. Sie wirkt weit über den akuten Aufenthalt hinaus und dies teilweise über mehrere Wochen oder Monate.

«PICS ist kein klar umrissenes Krankheitsbild, sondern ein vielschichtiges Syndrom...»

Theoretische Verankerung und praktische Umsetzung
Im Curriculum des dritten Ausbildungsjahres wird dieses Thema zukünftig gezielt verankert, sowohl im Bereich der Somatik als auch im Arbeitsfeld Kinder-Jugendliche-Frauen und Familie (KJFF). Im Fokus steht dabei nicht bloss Faktenwissen, sondern ein vertieftes Verständnis für die unterschiedlichen Facetten von PCIS und deren Relevanz im pflegerischen Alltag. Die Studierenden setzen sich mit den Dimensionen des Syndroms auseinander und lernen, dieses differenziert zu beschreiben: von körperlicher Schwäche über kognitive Einschränkungen bis hin zu psychischen Belastungen. Gleichzeitig entwickeln sie die Fähigkeit, PICS im klinischen Kontext von verwandten Krankheitsbildern wie bspw. der posttraumatischen Belastungsstörung klar abzugrenzen.

«Die Studierenden werden dazu befähigt, mögliche Anzeichen eines PICS frühzeitig zu erkennen...»

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der praktischen Anwendung. Die Studierenden werden dazu befähigt, mögliche Anzeichen eines PICS frühzeitig zu erkennen, unabhängig davon, in welchem Arbeitsfeld sie tätig sind. Anhand typischer Symptome, Risikofaktoren und Verlaufsmerkmale schulen sie ihr klinisches Urteilsvermögen und können daraus einen begründeten Verdacht ableiten. Genau hier zeigt sich Pflegekompetenz auf einem fortgeschrittenen Niveau.

Forschung und Lehre verbinden sich
Da die Pflegewissenschaft im dritten Bildungsjahr eine zentrale curriculare Rolle einnimmt, wird der Unterricht durch einen Einblick in die Posterpräsentation von Tony Mendes, die am SBK-Kongress 2026 präsentiert wurde, ergänzt. Diese Verbindung von Forschung und Lehre macht das Thema greifbar und zeigt eindrücklich, wie wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Ausbildung und in die Praxis einfliessen.

«Praxisnah, evidenzbasiert und mit einem klaren Ziel...»

So entwickelt sich aus einem in der Vergangenheit wenig beachteten Syndrom ein zentrales Thema moderner Pflegeausbildung. Praxisnah, evidenzbasiert und mit einem klaren Ziel, nämlich die Versorgung von Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen durch gut ausgebildeten Fachpersonen nachhaltig zu stärken.

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