Besuch der niederländischen Botschafterin am BzG: Ein bereichernder Austausch über EU, Gesundheitswesen und gemeinsame Herausforderungen

Am Dienstag, 26. Mai 2026, empfing das Bildungszentrum Gesundheit (BzG) eine hochkarätige Delegation: Karin Mössenlechner, Botschafterin der Niederlande in der Schweiz, und Eva van Vliet, Gesundheitsattachée. Im Rahmen der Kampagne #EUinSwissSchools bot der Besuch Studierenden und Lehrpersonen die Möglichkeit, mehr über die Rolle der EU, die Arbeit einer Botschafterin und die Gemeinsamkeiten zwischen der Schweiz und den Niederlanden, insbesondere im Gesundheitswesen, zu erfahren.

Zwei Rollen, ein Ziel: Brücken bauen zwischen Europa und der Schweiz
Karin Mössenlechner vereint als Botschafterin zwei Funktionen: Sie vertritt sowohl die Europäische Union als auch die Niederlande in der Schweiz. Seit September 2023 im Amt, überzeugt sie mit einem lockeren, zugänglichen und sympathischen Auftreten. Ihr Referat begann mit einem historischen Rückblick: Anlässlich des Europatags am 9. Mai erinnerte sie an die Schuman-Rede von 1950, die den Beginn der europäischen Integration markierte. Mit dem Zitat «Der Frieden der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen» unterstrich sie die Bedeutung von Zusammenarbeit und Innovation. Sie präsentierte die Entwicklung der EU von der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) bis zur heutigen Union und betonte das Motto «United in Diversity» als zentrale Errungenschaft.

Gesundheitswesen im Fokus: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Ein Hauptthema des Austauschs war der Vergleich der Gesundheitssysteme zwischen der Schweiz und den Niederlanden. Die Botschafterin hob hervor, dass beide Länder mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind:

  • Demografischer Wandel und Fachkräftemangel: Beide Länder kämpfen mit einer alternden Bevölkerung und einem Mangel an qualifizierten Fachkräften im Gesundheitsbereich. In den Niederlanden wird der Mangel als noch dringlicher eingestuft. Dort setzt man unter anderem auf Projekte zur Anwerbung von Fachkräften aus den Philippinen.
  • Kostenentwicklung: Die steigenden Kosten im Gesundheitswesen sind ein gemeinsames Thema.
  • Prävention: In den Niederlanden wird ein höherer Anteil der Gesundheitsausgaben für Prävention verwendet als in der Schweiz. Dennoch überwiegen in beiden Ländern die Ausgaben für die Behandlung von Krankheiten.
  • Versorgungsmodelle:
    o Die Niederlande setzen stärker auf das Hausarztmodell und eine ambulante Versorgung.
    o Die Spitaldichte ist geringer als in der Schweiz, da es eine zentrale Spitalplanung gibt (im Gegensatz zur kantonalen Regelung in der Schweiz).
    o Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, wurden attraktivere Arbeitsmodelle eingeführt, z. B. eine 36-Stunden-Woche (4 × 9 Stunden).
     

Die Rolle der EU: Unterstützung ohne direkte Verantwortung
Auf die Frage nach der Rolle der EU im Gesundheitswesen klärte die Botschafterin auf, dass die Gesundheitsversorgung in der Verantwortung der einzelnen Mitgliedsländer liegt. Die EU hat hier keine direkte Aufgabe, fördert aber den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Staaten. Der Fachkräftemangel erfordert innovative Lösungen auch in der Schweiz.

Advanced Practice Nursing: Die Niederlande als Vorbild?
Ein weiteres spannendes Thema war die Rolle von Advanced Practice Nurses (APN). In den Niederlanden sind APN bereits weit verbreitet und können von verschiedenen Berufsgruppen mit entsprechender Ausbildung übernommen werden. Die Botschafterin betonte, dass die Niederlande in diesem Bereich möglicherweise einen Schritt weiter sind als die Schweiz.

Gemeinsamkeiten jenseits der Fachthemen
Die Botschafterin hob die vielen Gemeinsamkeiten zwischen der Schweiz und den Niederlanden hervor und dies nicht nur im Gesundheitswesen. Eine besondere geografische Verbindung ist der Rhein, der Basel mit den Niederlanden verbindet. Und auch kulinarisch gibt es Parallelen: Während Basel seine Läckerli hat, haben die Niederlande ihre eigenen traditionellen Kekse.

Fazit: Ein bereichernder Austausch
Der Besuch endete mit einem Apero und einer kleinen Geschenkeübergabe als Dank für den inspirierenden Austausch. Besonders erfreulich war das Lob der Botschafterin für das BzG: Beeindruckt beim Rundgang durch das Bildungszentrum im Campus betonte sie, dass das BzG eine sehr gute Basis für gut ausgebildete Fachkräfte im Gesundheitswesen bietet.
 

Umberto Raia
Lehrperson im Bildungsgang medizinisch-technische Radiologie MTR HF
Kontakt: umberto.notexisting@nodomain.comraia@edubs.notexisting@nodomain.comch

 

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